Impfpflicht gegen Pocken

  • Kalenderblatt 26. August 1807

    Kalenderblatt 26. August

    Am 26. August 1807 führte das junge Königreich Bayern,

    als erstes Land der Welt, die Impfpflicht gegen Pocken ein.

    Alle Bewohner Bayerns, die älter als 3 Jahre waren, wurden geimpft.

    Wer sich der Impfung verweigerte, wurde vorgeladen, zwangsgeimpft, oder musste ein Strafgeld zahlen.

    Schon damals gab es Impfgegner,

    allen voran der Tiroler Kapuzinerpater Joachim Haspinger, der das Impfen als "Teufelswerk" bezeichnete und dass es nur dazu diene, den Tirolern "bayrisches Denken" einzuimpfen.

    Denn Haspinger stammte aus Tirol, das das Habsburgerreich nach der Niederlage gegenNapoleon I. bei Austerlitz 1805 an dessen Rheinbund-Verbündeten Bayern hatte abtreten müssen. Unter den konservativen, stramm katholischen Bergbauern verfing die Botschaft, die den Weg zum großen Aufstand bereitete, der Andreas Hofer zum Volkshelden machte. /zitiert nach Berthold Seewald

    Gerüchte über Kinder, die wie eine Kuh zu brüllen angefangen, und auf allen Vieren zu laufen begonnen hätten, befeuerten zusätzlich die Emotionen.

    James Gillray 1802

    James Gillray, 1802

    Selbst Immanuel Kant vermutete, dass „durch Jenners Kuhpocken die Menschheit sich zu sehr mit der Tierheit gleichstelle und dass der ersteren eine Art Brutalität eingeimpft werden könne“.

    Aber der Erfolg der Impfungen gab den Befürwortern Recht.

    Anfang des 20.Jahrhunderts war das Königreich bereits soweit "durchgeimpft", dass Pockenfälle nur noch sporadisch auftraten.

    Verloren hatten die Tiroler.

    In ihrem Kampf gegen das Virus und gegen die Fremdherrschaft Bayerns.

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