Geschichte von Baden-Baden

 

 

Baden-Baden liegt in einem Seitental des mittleren Oberrheingrabens,  umgeben von einem grandiosen Panorama ehemaliger Vulkanhügel, die eine weite Sicht über die Rheinebene, das Murgtal und den Schwarzwald erlauben.

Der Oberrheingraben ist, bedingt durch seine Entstehungsgeschichte eine ganz eigene Landschaft.

 

Kloster Lichtenthal 1 A

 THEMA Baden-Baden

 

 

 

 

    Panorama auf dem Merkur 500

 

Klimatisch ist Baden-Baden besonders begünstigt. Oft erreicht die warme Luft aus dem Süden über die Rhône, bzw. die Saône die Rheinpforte und wärmt den weiten Graben.
Die Pfälzer Berge, die Vogesen und der Schwarzwald schützen das Tal.

Und es gibt die Thermalquellen. Schon über Jahrzehntausende hinweg liefert eine Störungszone, die sich wohl bei der Hebung des Schwarzwalds bildete, die Energie, um Wasser, tausende von Metern tief, auf fast 70 Grad aufzuheizen und dieses, angereichert mit den Mineralien des Tertiärs, an die Oberfläche zu befördern.

Gewaltige Sinterhügel wuchsen einstmals am Florentinerberg (auf diesem befindet sich heute das Neue Schloss), die jedoch vor dem Bau des Friedrichsbades (1870) abgetragen wurden.

 

Florentiner Berg

 

Heute wachsen an diesem Hang die Südfrüchte.

Und die Quellen sind auch schon lange gezähmt, doch davon später mehr.

Sicherlich kamen schon in der Frühzeit des Menschen diese auf ihren Streifzügen durch das Tal. Zeugnisse einer dauerhaften Besiedlung gibt es jedoch bis heute nicht.

Erst die Kelten hinterließen dauerhafte Spuren.

Eine Wallanlage auf dem Battert ist keltischen Ursprungs und Schloss Hohenbaden steht sicherlich auf keltischen Fundamenten.
Um Hügelsheim/Söllingen wurden mehrere keltische Grabhügel gefunden, unter ihnen der „Heiligenbuck“, ein frühkeltischer Fürstengrabhügel aus der Hallstattzeit (600 v.Chr.).

Als die Römer im ersten Jahrhundert n.Chr. ihre Rheinlinie absteckten und Straßen und militärische Wehranlagen errichteten waren die Thermalquellen für sie eine willkommene Bereicherung. Ein kleines Kastell wurde errichtet.

Die römischen Soldaten fassten die Quellen, nutzten das warme, heilsame Wasser für sich und für ihre Pferde und nannten die Siedlung Aquae (Bad).
Bald wurden die ersten Steinbauten errichtet.

Nachdem sich der römische Kaiser  Caracalla in den Thermen von Baden-Baden an der Ausava (Oos) von den Kriegsstrapazen erholt hatte, ließ er die Kaiserthermen erbauen und gab der Stadt den Namen Aquae Aureliae.

Dann vertrieben die Alemannen die Römer.

 

„Die Alemannen wohnten nun, etwa vom Jahr 237 nach Christi Geb., in dieser Gegend, und die Oos und die Murg bildeten die nördliche Grenze ihres Gebietes. An Aurelia’s Stelle sehen wir im Laufe der Zeit einen Ort sich erheben, den wir zuerst in einer Urkunde Dagobert’s II. vom Jahr 675 als eine Ostfränkische Besitzung unter dem Namen „Baldin“ erwähnt finden; späterhin begegnet er unserem Blick als der Hauptort des Oosgau’s (auch Uffgau, Usgau), sogenannt von dem Bergwasser, das bei seinem Ursprung Beinnersbach, weiter Oosbach und zuletzt Oelbach heißt.“

So beschreibt August Schnezler, ein Redakteur und passionierter Sagensammler, 1846 die Gründungsgeschichte von Baden-Baden.

 

Die Alemannen interessierten sich wenig für bauliche, römische Hinterlassenschaften.
Ob der Ort weiterhin noch existierte, oder die Thermalquellen genutzt wurden, wissen wir nicht.

Als die Franken die Alemannen vertrieben, wurde die Oos Grenzfluss und damit auch Sprachgrenze zwischen den beiden Völkern.

Erst im 8. Jahrhundert finden sich spärliche Dokumente über neu geschlossene Besitzverhältnisse in der Region.

987 jedenfalls erhält es der Graf Manegold vom späteren Kaiser Otto III. und in dieser Schenkung wird als Ortsname „Badon“ genannt.

Dann bekommt Hermann II. vom Kaiser Baden-Baden (und Kloster Selz) geschenkt, weil er sich im Investiturstreit auf die richtige Seite schlägt.

Er nennt sich „Marchio de Baduon“, damit ist er der erste Markgraf von Baden.

Diese Familie wird über die nächsten acht Jahrhunderte die Entwicklung Baden-Baden’s maßgeblich beeinflussen.

Es gab Markgrafen wie Jakob I. (1407-1453), der als gerechter Landesherr in den Schriften erwähnt wird, oder Christoph I. (1453-1527), der viel für Wachstum und Wohlstand seiner Markgrafschaft getan hat, und es gab andere wie Philipp II. (1569-1588), der eine brutale Rekatholisierung betrieb und in seiner Regierungszeit 15 Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrennen ließ, oder Eduard Fortunat, der mit seinem verschwenderischen Lebensstil sein Land in den Bankrott trieb, oder Wilhelm (1593-1677) der die Scheiterhaufen (Hinrichtungsstätte, an der heutigen ev. Stadtkirche) wieder zum Brennen brachte.

Wie sah es aus, das „alte“ Baden (Baden-Baden)?

Das zeigt uns eine Merian Karte aus dem 17. Jahrhundert (1643).

Zentrum des Ortes war der Marktplatz, früher befanden sich hier die römischen Bäder. Jetzt stand auf diesem Platz die Stiftskirche (Pfarrkirche Peter und Paul).

 

Ansicht von Baden-Baden nach Merian 600

Die Stadtmauer gab es bereits seit Mitte des 14. Jahrhunderts.

Fünf Tore hatte die Stadt. Ein hinteres und oberes Tor zum Schloss, und eines zur Oos, eines nach Beuern (Lichtental) und eines nach Gernsbach (zum Spital) .

Außerhalb der Stadtmauer (rechts) befand sich die Spitalkirche und der Friedhof.
Das Alte Schloss – Hohenbaden im Hintergrund (A) und das Neue Schloss (B) auf dem Florentiner Berg dominierten die Stadt.

Im unteren Bildrand erkennt man die Oos. Hier standen mehrere Mühlen.

46 Jahre nach der Entstehung dieses Merian-Stiches gab es dieses Baden-Baden nicht mehr. Die Franzosen hinterließen im Pfälzischen Erbfolgekrieg östlich des Rheins nur  verbrannte Erde.

Nur langsam erholte sich unser Städtchen von den im Raum Baden fast einhundert Jahre lang andauernden Kriegen.

Mit dem Frieden von Rastatt (1714) verbesserten sich die Lebensumstände, auch in Baden.

Aber es dauerte noch eine Generation bis auch die Glocken der Stiftskirche wieder läuteten.

Baden-Baden war zu dieser Zeit eine arme Stadt mit ca. 2.000 Einwohnern. Das Neue Schloss stand leer.

Als August Georg Simpert von Baden (1706-1771) ohne männliche Nachkommen starb, endete damit auch die Linie der Markgrafen von Baden-Baden und Baden-Baden gehörte zu Baden-Durlach. Die Markgrafschaft Baden entstand.

Zwei Jahre später wurde das Jesuitengymnasium, die einzige höhere Lehranstalt der Markgrafschaft geschlossen.

Die Baden-Badener versuchten zu überleben, die Pariser revoltierten.

Als die französische Revolution dort die Landhäuser des Adels und des reichen Bürgertums erreichte, übersiedelten einige Damen und Herren nach Baden-Baden.
In Baden-Baden baute man ein hölzernes Promenadenhaus außerhalb der Altstadt, auf der gegenüberliegenden Oosseite.

Heute steht dort das Kurhaus und die Trinkhalle.

Auch die Friedensverhandlungen in Rastatt (1797-1799)  spülte viele Diplomaten in die nahe Kurstadt.

Aloys Schreiber, der noch Schüler des Jesuitenkollegs war, verfasste den ersten Reiseführer, der nicht nur den Kurbetrieb, sondern auch die „Schönheiten“ von Baden-Baden beschrieb, ein Begriff, der in der folgenden Romantik den Aufstieg der Stadt zur Kurstadt wesentlich befördern sollte.

„Baden-Badens Glück ist seine Schönheit, nur seine Schönheit. Bäder gibt es auch anderswo, Vergnügungen gibt es anderswo besser und bequemer, gute Hotels, Sportfeste, Ärzte und Läden sind keine Privilegien Baden-Badens. Eines aber hat Baden-Baden, dessen gleichen es in Europa nicht gibt, seine Schönheit“, schrieb im späten 19. Jahrhundert der Arzt Georg Groddeck in seiner Zeitschrift.

Das Neue Schloss wurde herausgeputzt, schließlich kam der Kurfürst  zur Kur.

Ein „Star-Architekt“ der damaligen Zeit - Friedrich Weinbrenner (1766-1826) - wurde engagiert. Unter seiner Regie entstanden Bauten wie ein „Museum Paleotechnikum“ (Antiquitätenhalle), die (alte) Trinkhalle (hinter der Stiftskirche), das Hotel Badischer Hof und das Kurhaus. Heute vermittelt nur noch die Villa Hamilton (Leopoldsplatz) Weinbrenners Stil. Alle anderen Gebäude wurden entweder abgerissen (Antiquitätenhalle, alte Trinkhalle) oder umgebaut (Hotel Badischer Hof, Konversationshaus, heute Rathaus, Kurhaus).

Der Aufstieg von Baden-Baden zur Bädermetropole begann.

Willi Andreas Weishaupt 2015