Kalenderblätter

Kalenderblatt 17. November

Am 17. November 1934 starb Joachim Ringelnatz, der große Schriftsteller, Kabarettist, Maler und Kinderfreund

in Berlin.

 

Kinder Verwirr Buch 01

 

Seid ihr alle da?
Ja??
Dann schreit einmal Hurra.
Denn, geliebte Kinder

Ich bin der

Kasperle und bin wieder da.
Bin vergnügt, seid ihr es auch.
Lacht ein Loch euch in den Bauch
Aber gebt dabei recht acht,

Dass ihr nicht danebenlacht.


Wer hier stört und wer nicht gut
Aufpasst, kriegt eins auf den Hut.

 

 

Diese und andere Verse schenkte Joachim Ringelnatz zu den Figuren, die Doktor Eugen Schmidt in Baden-Baden an Weihnachten 1933 für seine Kinder geschnitzt hatte .....

Quelle: Wikisource

Kalenderblatt 15. November 1884

Am 15. November 1884 trafen sich in Berlin auf Einladung Otto von Bismarcks die Vertreter der europäischen Länder,

der USA und des Osmanisches Reiches,

um eine einvernehmliche Aufteilung Nord-, aber vor allem Zentral-Afrikas und der Kongo-Region, zu erreichen.

Bei dieser, als "Kongokonferenz" bekannten Maklerei,

erhielt Leopold II., König von Belgien und einer der reichsten Männer Europas, das gesamte Gebiet der heutigen Republik Kongo, als seine private Kolonie.

Ludwig II. investierte keinen belgischen Francs in den Aufbau staatlicher Strukturen. Stattdessen beutete er seinen Freistaat, zwanzigmal so groß wie sein heimisches Königreich, brutal aus.

Elfenbein und Kautschuk waren begehrt.

Wenn die Afrikaner zu wenig Kautschuk lieferten, schnitten ihnen die Belgier oder deren Söldner, die Hände ab.

Innerhalb von 30 Jahren starb die Hälfte der Einwohner.

 

 

15. November 1908

als der Völkermord durch amerikanische und europäische Veröffentlichungen publik wurde,

verkaufte Leopold II. seine Kolonie an den belgischen Staat.

50 Millionen belgische Francs bekam er dafür.

Belgien übernahm auch Schulden von 45 Millionen für bereits begonnene Bauprojekte und weitere Schulden über 100 Millionen belgische Francs.

Kalenderblatt 14. November

Am 14. November 1918 verkündete die demokratische provisorische Volksregierung die freie Volksrepublik Baden, die Badische Republik.

 

Wappen Baden 1849

Die Badische Republik existierte nur 15 Jahre lang.

Mit dem Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich im Jahr 1933 verloren alle Länder ihre Souveränität.

Kalenderblatt 12. November

 

Am 12. November 1918 erließ der Rat der Volksbeauftragten (Übergangsregierung von SPD und USPD) mit Friedrich Ebert an der Spitze ein neues Wahlgesetz.

 

„Die Abgeordneten werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl von den über zwanzig Jahre alten Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. Der Wahltag muß ein Sonntag oder öffentlicher Ruhetag sein. Das Nähere bestimmt das Reichswahlgesetz.“

Weimarer Reichsverfassung, Art. 22, Abs. 1

 

Erstmals in Deutschland durften Frauen wählen und gewählt werden.

 

Bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919 gingen 87% aller Frauen zur Wahl. Von 300 Kandidatinnen wurden 37 in den Reichstag gewählt. Dieser Frauen-Anteil von knapp neun Prozent wurde erst wieder bei der Wahl zum Deutschen Bundestag 1987 erreicht.

Nur 14 Jahre später entzogen die Nationalsozialisten den Frauen das passive Wahlrecht.

 

"Die Frauen dürfen so wenig auf die Hilfe der Männer warten, wie die Arbeiter auf die Hilfe der Bourgeoisie."

August Bebel

 

 Frauenwahlrecht Plakat

 

Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland

Kalenderblatt 11. November

Am 11. November 1918 endete der I. Weltkrieg.

Um 5 Uhr morgens wurde der Waffenstillstand von Compiègne unterzeichnet und trat sechs Stunden später in Kraft.

Gekämpft und gestorben wurde bis zur letzten Minute.

An diesem letzten Kriegsvormittag starben über 2.000 Soldaten, über 8.000 wurden verletzt. (1)

 

Wenn irgend jemand fragt, warum wir starben,

Sagt ihnen, weil unsre Väter gelogen haben.

John Kipling, Epitaphs of the War

 

Dritte Flandernschlacht Oktober 1917 Imperial War museum London

Dritte Flandernschlacht Oktober 1917, Imperial War Museum, London

 

 

Quellen/Literatur:

(1) Adam Hochschild, DER GROSSE KRIEG, Klett-Gotta, S. 434

Christopher Clark, DIE SCHLAFWANDLER, DVA

 

 

Kalenderblatt 10. November 

Baden-Baden, am 10. November 1938

 

7:00

2-Mann-Trupps (ein SS-Mann und ein Polizist) suchen die ihnen zugeteilten Häuser auf, nehmen die dort wohnenden jüdischen Männer fest und bringen sie zur Polizeidirektion.

 

11:00

Mit einem plakatgroßen Judenstern, auf dem „Gott verläßt uns nicht!“ stand, mussten ca. 80 jüdische Männer durch die Stadt marschieren.

Vom Polizeigebäude (heutiges Ärztehaus Vincenti, Sophienstr. 47) ging es durch die Gernsbacher Straße zum Jesuitenplatz, dann die Lange Straße entlang bis zur Sternstraße, Richtung Trinkhalle bis zur Luisenstraße. Von dort zurück über den Leopoldsplatz in die Lichtentaler Straße. Zwischen Augusta- und Bertholdplatz links ab in die schmale Stephanienstraße und dann bis zur Synagoge (heutig profan als Parkplatz des Badischen Tagblatts genutzt).

 Baden Baden Festnahme von Juden

Bundesarchiv

12:00

Die jüdischen Männer müssen durch ein Spalier von SS- und Gestapo-Männern, die sie schlagen und anspucken, ihr Gotteshaus betreten.

 

13:00

A.Flehinger wird gezwungen Passagen aus „Mein Kampf“ vorzulesen.

Den Juden wird befohlen das „Horst-Wessel-Lied“ zu singen, ihre Kopfbedeckung abzunehmen und groteske Turnübungen vorzuführen.

Sie müssen vor der Synagoge ihre Notdurft verrichten.

 

14:00

Die Männer werden in das jüdische Hotel Central (Sophienstr. 2) geführt.

Dort werden sie von dem örtlichen Gestapochef Schray in „Schutzhaft“ genommen. Die „Haftfähigen“ wurden noch am Abend zum Bahnhof und von dort in das KZ Dachau gebracht.

 

14:30

Die leergeräumte Synagoge wird von SS-Leuten in Brand gesetzt.

Die Abbruchkosten (9.000 RM) mussten von der jüdischen Gemeinde bezahlt werden.

Als im Februar 1937 die jüdischen Kurgäste von den Heilbädern ausgeschlossen wurden protestierten die Hoteliers und einige Bewohner.

1938 erhob sich keine Stimme mehr.

 

BT 11.11.1938

Badisches Tagblatt, 11.11.1938

 

Quelle: Angelika Schindler, Der verbrannte Traum, Elster Verlag

Kalenderblatt 9. November

Der 9. November wird auch als der „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet.

 

1848

Robert Blum, ein deutscher Politiker, Verleger („Vorwärts!“) und Dichter, wurde
wegen „aufrührerischer“ Reden zum Tode verurteilt und unter Missachtung seiner Immunität als Abgeordneter erschossen.

 

1918

Novemberrevolution
Kaiser Wilhelm II. dankt ab. Philipp Scheidemann ruft vom Reichstagsgebäude die „Deutsche Republik“ aus, Karl Liebknecht zwei Stunden später die „Deutsche Räterepublik“.

 

1923

Hitler-Ludendorff-Putsch
Der Putschversuch der NSDAP, mit dem Ziel der Vernichtung der parlamentarischen Demokratie wurde von der bayrischen Landespolizei niedergeschlagen.

 

1938

Pogromnacht / Reichs-Kristallnacht
Gesteuert von den Nationalsozialisten wurden hunderte Juden ermordet, tausende Synagogen, Geschäfte und Friedhöfe zerstört.

 

1989

Fall der Berliner Mauer

Kalenderblatt 8. November

Am 8. November 1918 erreichte die Novemberrevolution in Braunschweig mit der Abdankung des Herzogs Ernst August ihren ersten Höhepunkt.

Volksfreund 8.11.1918 Staatsbibliothek Berlin

Volksfreund vom 8. November 1918, Staatsbibliothek Berlin

 

"Friede, Brot, Freiheit!" war schon im August 2017 das Motto des ersten Generalstreiks in Braunschweig.

 

Im November 1918 stand Deutschland vor dem fünften Kriegswinter.

Armut und Hunger regierten das Land. Die Spanische Grippe wütete in der Stadt. Das öffentliche Leben war auf den Krieg ausgerichtet. Immer mehr Kriegsinvalide prägten das Stadtbild. Fast alle Frauen und Kinder ab 14 Jahren arbeiteten in der Rüstungsindustrie. Die Männer waren alle an der Front.

Der Krieg war sinnlos und verloren.

 

Die Revolution organisierte sich in den Betrieben.

Aufgerufen von der neuen USPD, des Spartakusbundes und Teile der MSPD (die in Braunschweig in der Minderheit war) gingen ca. 20.000 Menschen am 8. November nach der Frühschicht auf die Straße und besetzten den Bahnhof, das Telegrafenamt, die Polizeizentrale und schließlich das Schloss.

August Merges forderte den letzten Welfenherzog zur Abdankung auf. Ernst August akzeptierte.

Braunschweig Novemberrevolution Delegation Arbeiter und Soldatenrat 8. Nov. 1918 16 H XVI H I 1918 Stadtarchiv Braunschweig

BS-Abordnung voLi: Hermann Meier, Hermann Schweiss (beide Soldatenräte), August Merges, Paul Gmeiner, Henry Finke (Arbeiterrat), Friedrich Schubert (Soldatenrat).

Kein Schuss war gefallen.

Auf dem Braunschweiger Schloss wehte die rote Fahne. 

 

Kalenderblatt 18. Oktober

 

Am Abend des 18. Oktobers 1356 erschütterte das bislang stärkste Erdbeben nördlich der Alpen die Region um Basel.

Steinhäuser, alle Türme, auch der Chor des Münsters, stürzten ein.

Basel Konstanzer Weltchr

Basel-Konstanzer Weltchronik 14. Jahrhundert

In Panik verließen die Menschen ihre Häuser. Die Erde bebte immer wieder.

Offene Feuerstellen entzündeten die vielen mit Stroh und Schindeln gedeckten Häuser der Stadt und richteten einen noch größeren Schaden an.

Erst um Mitternacht endeten die Erdstöße.

Bis zum Frühjahr 1357 wurde die Region von weiteren, schwächer werdenden Erdbeben heimgesucht.

Ursächlich ist eine seismisch aktive Bruchzone des Rheingrabens.

Quellen / Links:

 
Ein Erdbeben könnte Basel von der Landkarte verbannen

Kalenderblatt

Am 21. September 1852 eröffnete Eduard Meßmer sein Delikatessen- und Kolonialwarengeschäft in Baden-Baden.

Sein bekanntestes und erfolgreichstes Produkt war der „Meßmer Tee“.

 

Links:

 

Kalenderblatt 12. September

„Keine Gewalt dränge sich mehr zwischen Lehrer und Lernende. Den Unterricht scheide keine Confession“.

Am 12. September 1847 trafen sich in Offenburg, „der weltberühmten Demagogenstadt“
nach offiziellen Angaben 900, nach Angaben der Veranstalter
Friedrich Hecker und Gustav von Struve ca. 10.000 Menschen.
An diesem Sonntag wurden die „Forderungen des Volkes“ proklamiert,
ein 13 Punkte Programm.
 
Forderungen des Volkes Offenburg 1847
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloß Rastatt -Bundesarchiv-
In der zweiten Offenburger Erklärung, ein halbes Jahr später, trafen sich bereits ca. 20.000 Bürger in Offenburg. Inspiriert durch ihre Vorbilder aufs der Schweiz verkündeten sie:
„Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, vereint durch eine Freiheit, frei durch eigene Kraft“.
Aus einem Flugblatt „34 Fürsten oder eine Republik?“:
„Die Last der Abgaben erdrückt das Volk; ein gedrücktes Volk aber ist nie frei!
Und wenn seine Führer glauben, das Volk sei zufrieden mit den schönen Reden, welche sie seit Jahren gehalten, so wird es sich bald zeigen, daß sie sich irren und daß das Volk sich von den bisherigen Führern trennt und auf eigene Faust handelt!“
Am 12. Mai 1849 versammelten sich ca. 40.000 Anhänger der Republik in Offenburg.
In diesen dritten Offenburger Forderungen wurde die „gesamte Rechts- und Machtvollkommenheit“ für das Parlament, gewählt durch „sämtliche“ Staatsbürger beansprucht.
 
Am 23.Juli 1849 endete der badische Freiheits-Traum mit der Kapitulation Rastatts vor den Preußen.
 
 
Bildnachweise/Quellen/Literatur:
Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloss Rastatt -Bundesarchiv-
in Baden-Württemberg 3/1997, G.Braun Buchverlag

Kalenderblatt 7. August

Am 7. August 1883 wurde Hans Gustav Bötticher, der sich später Joachim Ringelnatz nannte, der große Poet und Mensch, in Wurzen (Sachsen) geboren.

Ringelnatz Kuttel

 

 

Wenn ich zwei Vöglein wär,
Und auch vier Flügel hätt,
Flög die eine Hälfte zu dir.
Und die andere, die ging auch zu Bett,

Aber hier zu Haus bei mir.

Kalenderblatt 29. Juni

Die Schlacht an der Murg

Am 29. Juni 1849 unterlag die badische Revolutionsarmee in ihrem Versuch, die Murggrenze gegen die anrückenden preußischen Truppen zu verteidigen.

Rückblick:

General Mieroslawski, der die Revolutionsarmee befehligte, gelang es, den Angriff der konterrevolutionären Truppen unter dem berüchtigten Prinzen Wilhelm von Preußen bei Heidelberg/Mannheim zu stoppen.

Doch der „Kartätschenprinz“ umging die Verteidigungslinie der Revolutionstruppen und setzte sich nach dem Gefecht bei Waghäusel im Rücken der Badener fest.

Mit Eilmärschen konnte Mieroslawski die Umschließung durch die Preußen verhindern. Er versuchte an der Murg eine neue Verteidigungslinie zu errichten.

Murgfront

Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloß Rastatt -Bundesarchiv-

 

Am 29. Juni stand eine Überzahl preußischer Söldner einem immer kleiner werdenden Truppe der Revolutionsarmee in Gernsbach gegenüber.

Murg Durchbruch der

Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloß Rastatt -Bundesarchiv-

 

 Kampf bei Gernsbach

Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte, Schloß Rastatt -Bundesarchiv-

 

Die Murg konnte nicht gehalten werden.

Die badische Revolutionsarmee gab es nicht mehr.

In Einzelgefechten zogen sich Trupps in die Schweiz, bzw. nach Rastatt zurück.

Nach dreiwöchiger Belagerung fiel die Festung Rastatt am 23. Juli 1849.

Damit war die badische Revolution und mit ihr die Revolution von 1848 /49 in den Staaten des deutschen Bundes endgültig gescheitert.

Rundgemalde Europa 1849

Düsseldorfer Monatshefte (Verleger/Drucker: Arnz & Co. Düsseldorf), Düsseldorf, Gemeinfrei

Kalenderblatt 28. Juni 1914

 

Am 28. Juni 1914 wurden Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie in Sarajevo von bosnischen Serben der Gruppen Mlada Bosna und Crna ruka erschossen.

 

Von Bettmann Corbis Guardian.co.uk Gemeinfrei

Minuten vor dem Attentat (1)

Viele Slawen und Serben sahen in Franz Ferdinand einen Reformer.

Nach der Logik der Terroristen war er gefährlicher als die direkten Gegner und Hardliner. (2)

Das Attentat führte zur Junikrise.

Die gipfelte in der Kriegserklärung Österreichs an Serbien.

Damit begann der 1. Weltkrieg.

Millionen Tote, Millionen Verstümmelte, Millionen Traumatisierte, Millionen Vertriebene.

 

WKM Schloss Rastatt1.Weltkrieg zerschossener Stahlhelm R

Schloss Rastatt, Wehrkundemuseum, Stahlhelm 1.WK (3)

 

 

Bildnachweise/Quellen/Literatur:

(1) Bettmann Corbis Collection, gemeinfrei

(2) Christopher Clark, Die Schlafwandler Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog, DVA, S.81

(3) baden-geotouren, gemeinfrei

Kalenderblatt 27. Juni 1519

Die Leipziger Disputation

 

Leipziger Disputation 1519 Lithografie von Max Seliger

Lithografie von Max Seliger, Wikipedia common

Am 27. Juni 1519 begann die Leipziger Disputation, ein Streitgespräch zwischen den Katholiken, vertreten durch den Ingolstädter Dr. Johann Maier aus Eck und den Evangelischen, den Protestanten, vertreten durch Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchton.

Das Streitgespräch wurde von den Leipziger Universität (Leipzig war damals noch katholisch) organisiert. Oberster Beobachter war der Herzog Georg de Bärtige von Sachsen, ein entschiedener Gegner Luthers.

Nach einer gemeinsamen Messe, bei der der Thomanerchor auftrat, stritt man in der Form von These und Gegenthese über den freien Willen, das Primat des Papstes und natürlich um den Ablass.

Als Luther einige Aussagen von Jan Hus als christlich, zumindest evagelisch, bezeichnete, kam es zum Eklat.

Luthers Bruch mit dem Papst wurde offenkundig.

Die beiden Protagonisten schenkten sich nichts. Stundenlang wurde debattiert. Melanchton steckte Luther immer wieder Zettel zu, was Eck aufregte, da seine Unterstützer oft ein Nickerchen hielten.

Auch der Ton war rau.

Luther bezeichnete Dr.Eck als „Dreck“, als „Schwein von Ingolstadt“.

Wenn auch ihr Hass auf die Juden die beiden Kontrahenten einte, so waren sie doch in den theologischen Fragen nicht konsenswillig.

Am 16. Juli endete die Disputation. Beide Seiten erklärten sich zum Sieger.

Die Kurie änderte sich nicht.

Leo X. betrieb weiterhin exzessiv den Ablasshandel, er brauchte Geld, auch für den Bau des Petersdoms.

Zwei Jahre später wurde Luther exkommuniziert.

Aber das reichte diesmal nicht.

 

Quellen:

Wikipedia
Leipziger Disputation
Brockhaus, Konversations-Lexikon, 1901

Kalenderblatt 21. Juni 1870

 

Clara Immerwahr

 

Am 21. Juni 1870 wurde Clara Immerwahr in Polkendorf (Schlesien) geboren.

Ihr Vater war diplomierter Chemiker, Landwirt, Handelsrichter in Breslau.

Er experimentierte erfolgreich mit einem von ihm entwickelten Kunstdünger.

Clara und ihre drei Geschwister wuchsen in einer sehr liberalen jüdischen Familie auf. Im Sommer bekamen die Kinder auf Gut Oswitz Privatunterricht und im Winter besuchten Clara und ihre beiden älteren Schwestern die höhere Mädchenschule in Breslau.

Jedoch hatten die Mädchen nach dieser bis zu zehn Jahren dauernden Ausbildung keinen qualifizierten Abschluss.

1896 durfte Clara als Gasthörerin bei Vorlesungen für Experimentalphysik und Chemie (Breslau) dabei sein. Ein Jahr später legte Clara ihr Abitur ab. Sie war nun berechtigt ein Studium aufzunehmen. Clara studierte Chemie.

1900 promoviert Clara mit „magna cum laude“.

Sie ist die erste Frau in Deutschland, die im Fach physikalische Chemie promovierte und die erste, die das Verbandsexamen Chemie ablegte.

1901 heiratete sie den jungen Professor der Chemie Dr. Fritz Haber, der in Karlsruhe forschte und lehrte.

Clara schwärmt von einer „Ehe à la Curie“, aber bald ahnt sie, dass sie nicht stark genug sein wird, sich Fritz gegenüber zu behaupten.

Fritz denkt nur an seine Karriere. Ihre Mitarbeit an seinen Veröffentlichungen verschweigt er.

1902 kommt ihr Sohn Hermann zur Welt und Clara verschwindet endgültig von der wissenschaftlichen Bühne.

„Ich halte nichts von geistigen Amazonen“ hatte ihr Doktorvater zu ihr gesagt.

Clara hält noch Vorträge über „Naturwissenschaften im Haushalt“.

In Karlsruhe entwickelte Fritz Haber die Synthese von Ammoniak aus Wasserstoff und dem Stickstoff der Luft, für die er 1918 den Nobelpreis erhielt.

Fritz hintertrieb Claras wissenschaftliche Aktivitäten, kümmerte sich nicht um seinen Sohn. Nur er durfte im Rampenlicht stehen, seine Frau hatte zu repräsentieren und zwar „standesgemäß“.

Aber das ist nicht Claras Welt.

Clara kleidete sich „unvorteilhaft“, bevorzugte „Reformkleider“ (ohne das übliche Korsett), ging einkaufen und empfing die Gäste ihres Mannes mit umgebundener Küchenschürze.

1914 meldete sich Fritz freiwillig zum Kriegsdienst und wurde Chef der „Hauptwehrstoffabteilung“.

1915 fand in Köln ein Großversuch mit Chlorgas statt. Man hatte Schützengräben nachgebaut und Tiere darin festgebunden. Dann wurde Chlorgas eingeleitet. Fritz war begeistert, alle Tiere starben, erstickten jämmerlich.

Clara nannte diese Versuche eine „Perversion der Wissenschaft“.

Am 22. April 1915 wurden bei Ypern unter Fritz Habers Aufsicht 160 Tonnen Chlorgas freigesetzt. Eine 6km breite und 1km tiefe Gaswolke trieb Richtung Franzosen.

Tausende starben.

Fritz wurde auf kaiserlichen Befehl Hauptmann.

Zurück in Berlin feierte Fritz seine Beförderung.

Clara und Fritz stritten sich wieder heftig.

Nachdem die Gäste sich verabschiedet und Fritz sich zu Bett gelegt hatte (wie immer nach Einnahme eines starken Schlafmittels), nahm Clara seine Dienstpistole, ging in den Garten und erschoss sich.

 

Quellen:

Leitner, Gerit von. 1993. Der Fall Clara Immerwahr: Leben für eine humane Wissenschaft. München. Beck.
Wikipedia
SWR
 
Trailer: Clara Immerwahr | SWR

Kalenderblatt 19. Juni 1600

 

Der Badische Markgraf Eduard Fortunat von Baden-Rodemachern stürzt auf der Treppe der Burg Kastellaun in den Tod.

 

    Treppe.jpg

17. Juni 1933 - Bücherverbrennung in Baden

Heute vor 85 Jahren, am 17. Juni 1933 fanden im „Gau Baden“ (z.B. in Bretten, Heidelberg, Karlsruhe, Offenburg und Pforzheim) im Rahmen der von der Hitler-Jugend durchgeführten „Kampfwoche gegen Schund und Schmutz“, Bücherverbrennungen statt.

Diese „Aktion wider den undeutschen Geist“ inszenierten die Nationalsozialisten bereits ab dem 7. März 1933.

Auch in Baden-Baden.

 

 

Quellen/Links:

Bildnachweis: © baden-geotouren

12. Juni 1817 - Karl von Drais´ Überlandfahrt mit seiner Laufmaschine

Am 12. Juni 1817 legte der Erfinder des Fahrrads, Karl von Drais, mit seiner „Laufmaschine“ eine Strecke von ca. 15 km in einer Stunde zurück.

Ein effizienteres Fortbewegungsmittel für den Menschen wurde bis heute nicht erfunden.

Der Winterkomet 1618

Heute wird als auslösendes Moment des 30-jährigen Krieges (1618-1648) der Prager Fenstersturz genannt.

 

Komet 1618 HD

Komet C/1618 W1 über Heidelberg Stadtarchiv

Die Menschen des 17. Jahrhunderts empfanden dagegen das Erscheinen dreier Kometen Ende November 1618 als ein „göttliches Zeichen des Zorns und der Strafe“. Unheil stand bevor.

Der hellste der Kometen ( C/1618 W1) war mehr als zwei Monate am Himmel sichtbar und anfangs angeblich heller als der Mond.

Für die Bevölkerung war der Komet am Himmel ein böses Ohmen.

Das Zeichen am Himmel hatte Gott gesandt, der strafende Gott.

Aber die zeitgenössischen Astronomen wie Athanasius Kircher und Johannes Kepler fanden wissenschaftliche Erklärungen für den verheerenden Einfluss dieser Himmelserscheinungen.

Kepler zufolge hatte dieser Komet katastrophale Folgen für die Menschen, weil die Erde auf ihrer Umlaufbahn den Orbit des Kometen gekreuzt habe. Kepler bezeichnete diesen Kreuzungspunkt als „locus infectus“. Für ihn war die tödliche Seuche auf den Kriegsschauplätzen Böhmens, die 1619 wütete, ein Beweis dieser These. Der Komet „significirte“ den Krieg nicht nur, er „efficierte“ ihn direkt.

Nach Meinung der Astronomen kehrt dieser Komet erst in einhunderttausend Jahren zur Erde zurück.

 

Quelle: Andreas Bähr, Der grausame Komet, Rowohlt Verlag, Reinbek, Hamburg 2017

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