Emma Herwegh

 

EHgeb. 10. Mai 1817 in Berlin, † 24. März 1904 in Paris

war Literatin, Revolutionärin im badischen Bürgerkrieg 1848/49 und Frauenrechtlerin.

 

Emma war die aufmüpfige Tochter des wohlhabenden Kaufmanns und Hoflieferanten J.G. Siegmund und dessen Frau Henriette.

Wie alle jungen Frauen des Bildungsbürgertums spielte sie Klavier, liebte Liszt und malte.

Aber sie sprach auch mehrere Sprachen und konnte sehr gut schwimmen, reiten und schießen.

Sie liebte es, sich über die im Biedermeier bestehende Geschlechterrolle hinwegzusetzen.

 

 

"Dem Manne gleichgestellt will ich nicht werden, ich bin es.

Warum soll ich weniger sein als ein Mann?"

 

Mit 24 Jahren war Emma noch nicht verheiratet, aber sie war verliebt, in  Georg Herwegh, der die „Gedichte eines Lebendigen“ verfasst hatte.

Leider hatte sie ihn noch nie gesehen. Aber sie setzte alles daran ihn kennenzulernen.

Im Winter 1842 war es soweit. Georg besuchte die Familie Siegmund.

Eine Woche später verlobten sie sich, drei Monate später heirateten sie in Baden in der Schweiz. (1)

 

 In Paris fanden die beiden ihre neue Heimat.

Jenny und Karl Marx wohnten um die Ecke.

 

Im Februar 1848 revoltierten die Einwohner von Paris. Der König dankte ab. Metternich musste zurücktreten und die Berliner Barrikaden siegten für kurze Zeit über das preußische Militär.

Im April 1848 versuchte Friedrich Hecker die Konstanzer Bürger für die Revolution zu begeistern. Zu wenige folgtem ihm.

Hessische, württembergische und bayrische Truppen, fast 30.000 Mann wurden von den Herrschenden gegen die „demokratischen Agitatoren“ aufgeboten.

Georg Herwegh wurde von den vielen deutschen Emigranten in Paris zum Präsidenten der Deutschen Demokratischen Liga gewählt.

Ein bunter Haufen war dann die Revolutionsarmee, die mit Emma und Georg Herwegh zur Unterstützung Heckers nach Straßburg zog.

Die tapfere Emma durchquerte mehrmals die feindlichen Linien und traf sich mit Hecker. (2)

Emma lebt in Paris und Zürich.

1855 plant Emma die Flucht von Felice Orsini aus dem Gefängnis in Mantua.

Georg Herwegh ist derweil verliebt. Aber nicht in Emma, sondern in die Frau seines Freundes Alexander Herzens.

Sie versuchen eine Ehe zu viert, aber nach heftigen Streitereien trennt man sich.

Emma zieht nach Genua.

Nach drei Jahren Trennung leben die beiden wieder gemeinsam in Zürich.

Durch die Amnestiegesetze 1866 wird die Rückkehr nach Deutschland wieder möglich.

Emma lässt sich mit ihrer Familie in Baden-Baden nieder und muss im Laufe der Zeit in immer kleinere Wohnungen umziehen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1875 zieht Emma über Stuttgart wieder nach Paris und lernt dort den Dichter und Verleger Frank Wiedekind kennen.

Emma Herwegh stirbt mit 86 Jahren, wie Georg an einer Lungenentzündung.

In „freier Erde“ wird sie in Liestal in der Schweiz an der Seite ihres Mannes beerdigt. Auf der von ihr entworfenen Grabplatte steht:

 

Von den Mächtigen verfolgt,

von den Knechten gehasst,

Von den Meisten verkannt,

Von den Seinen geliebt.“

 

Nur eine kleine Plakette erinnert heute in Baden-Baden (Sophienstraße) noch an Emma Herwegh.

 

 

 Emma Herwegh Gedenktafel

 

Willi Andreas Weishaupt 2015

© Baden-GEO-Touren

 

(1) Georg Herwegh wurde wegen Majestätsbeleidigung des Landes verwiesen.

Im Vorfeld einer Audienz beim preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wurde ein Brief Herweghs, in dem er die politischen Verhältnisse anprangerte, publik.

In Basel-Land bekam er die Bürgerrechte, nur dort konnte er heiraten.

(2) Doch Hecker zögerte. Am 20. April 1848 trafen die Gegner (Hecker und von Gagern) auf der Scheideck bei Kandern (Wiesental bei Lörrach) aufeinander. General v. Gagern fällt, doch die Schlacht ist für die Aufständischen verloren. Hecker flieht in die Schweiz.

Freiburg wird von den Bundestruppen eingenommen.

Die Herweghsche Revolutionsarmee, die inzwischen den Rhein überquert hatte, wurde von den Württembergern in die Flucht geschlagen. Die Herweghs flüchteten in die Schweiz.

 

Bildnachweis:

  • Wikipedia Commons
  • Baden-GEO-Touren

 

Literatur:

  • Wolfgang Dreßen, 1848-1849: Bürgerkrieg in Baden, Chronik einer verlorenen Revolution, Klaus Wagenbach Berlin, 1975
  • Ursula Dörge, Emma Herwegh, Dichtergattin und Revolutionärin, aus
  • Zwischen Suppenküche und Allee, Frauengeschichten aus Baden-Baden, Gleichstellungsstelle der Stadt Baden-Baden, 2012

Die Deutsche...