Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg

Sybilla Augusta 200 1675, † 10.06.1733
war Markgräfin von Baden-Baden und Bauherrin der Schlösser Ettlingen und Favorite.

Sibylla wuchs zusammen mit ihrer älteren Schwester Anna Maria Franziska im Schloss Schlackenwerth in Nordböhmen auf. Als sie 6 Jahren alt war starb ihre Mutter.

Unterrichtet wurde sie von Christian August von Sulzbach, einem toleranten Pfalzgrafen und Fürsten, der den Bewohnern das Recht gab ihren evangelischen oder katholischen Glauben frei auszuüben, und von Gräfin Werschowitz die später verdächtigt wurde Sybillas Vater vergiftet zu haben.

Schon mit 13 Jahren beschrieb sie in ihren Aufzeichnungen "Vierfacher Handschrein: Unterschiedliche Kunst, Speiß, Confiture und Medicinal-Sachen"   Wege zur Farbenherstellung und detaillierte Anleitungen zur Herstellung ostasiatischer Lack-Arbeiten. Bald darauf verwaltete sie die väterliche Kunstsammlung.

Der sehr wohlhabende Vater, Herzog Julius Franz von Sachsen-Lauenburg starb 1689 und hatte die Verheiratung seiner beiden Töchter testamentarisch Kaiser Leopold I. übertragen.

Also konnte Leopold I. seinen beiden erfolgreichen Feldherren und Fürsten Ludwig Wilhelm und dessen Cousin Prinz Eugen von Savoyen eine vielversprechende Heirat in Aussicht stellen.

Als Ludwig Wilhelm 1690 in Schlackenwerth eintraf, verliebte er sich nicht in die vom Kaiser gewählte ältere Schwester Anna Maria sondern in die jüngere, die 14-jährige Franziska Sibylla Augusta. Im gleichen Jahr heirateten die beiden und wohnten in dem neuerbauten Seitenflügelschloss von Schlackenwerth - dem Weißen Schloss.

Ludwig Wilhelm war zu dieser Zeit ein berühmter Feldherr.

Nach seinem Sieg über die Türken in Ungarn befehligte er die Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und so hielt sich das Markgrafenehepaar häufig in Bayern auf, denn Sibylla begleitete ihren Mann bis ins Feldlager.

Vier Kinder hatte sie am Ende dieses Krieges zur Welt gebracht, aber keines wurde älter als sechs Jahre.

Als der Krieg zu Ende ging, begannen die beiden mit dem Wiederaufbau ihrer Markgrafschaft Baden.

In Rastatt, ihrer neuen Residenzstadt, hatten sie Großes vor. Zuerst wurde eine Festung angelegt, dann fächerförmig die Stadt nach dem Schloss ausgerichtet.
Das Schloss wurde als dreiflügelige Anlage ganz im Stil Ludwig XIV. konzipiert.
Der Rohbau stand bereits 1702.

Doch ein neuer Krieg war ausgebrochen, dessen Ende Ludwig Wilhelm nicht mehr erleben sollte. Er starb im Januar 1707 an einer Kriegsverletzung  in Rastatt. 
Epitaph und Grab finden wir in der Stiftskirche in Baden-Baden. Sein Herz wurde im Kloster Lichtenthal aufbewahrt.

Sibylla war jetzt Markgräfin von Baden-Baden, 32 Jahre alt, gebildet, eine selbstbewusste, diplomatisch überaus erfolgreiche Frau, reich, hatte zwei Söhne und eine Tochter - und sie hatte Träume. Einige davon verwirklichte sie, so z.B. Schloss Favorite, ihr Lust- und Porzellanschloss, die gesamte Gartengestaltung im Schloss Rastatt und den Ausbau von Schloss Ettlingen als Alterssitz.

Sibylla war eine kluge und faszinierende Frau ihrer Zeit.

Sie liebte Kunst, Musik und Tanz. Legendär waren ihre Maskenbälle. Ihre Lust an der Verkleidung zeigt sich in den „Kostümbilder“, die sich heute im Spiegelkabinett von Schloss Favorite befinden.

Als selbstbewusste und gut vernetzte Markgräfin war sie einflussreich und trotzte dem Kaiser einen großen Teil seiner versprochenen Belohnungen für Ludwig Wilhelm ab.

Aber sie war als Kind Böhmens auch sehr katholisch, erlebte früh die dortige Reliquienverehrung, die Wallfahrten und die ausgeprägte Marienverehrung.
Später kam der Einfluss des Baden-Badener Jesuitenkollegs hinzu.

1717 rief der Jesuit Joseph Mayr zu einer Bußprozession in Rastatt auf und vorneweg ging Sibylla, wie alle trug sie eine Dornenkrone und geißelte sich selbst.
Auch soll sie die Verbrennung, mehrerer als zu „anzüglich“ eingestufte Gemälde ihrer Sammlung, veranlasst haben.

Sie war oft im Benediktinerstift  Einsiedeln. Die dortige Gnadenkapelle ließ sie sowohl in Schlackenwerth als auch in Rastatt wiederauferstehen.
Sybilla sah sich selbst als Leidensschwester von Maria Magdalena und ganz im Zeichen der Zeit als große Sünderin.

1727 wurde ihr Sohn Ludwig Georg Simpert Markgraf und Sibylla zog sich nach Schloss Ettlingen zurück.

Sie starb im Alter von 58 Jahren und wurde in der Schlosskirche Rastatt  beigesetzt.

Willi Andreas Weishaupt 2014

 Bildquelle; © LMZ-BW