Eduard Fortunat von Baden-Rodemachern
geb. am 17. September 1565 in London, † 19. Juni 1600 in Schloss Kastellaun, liebte den Reichtum, die Macht und sich selbst.

 

 Eduard Fortunat

 

 Eduard gilt als das schwärzeste Schaf aller Badischen Markgrafen in der Geschichtsschreibung.

Nicht weil er sich sträubte die Frau seiner Kinder zu heiraten, Falschmünzerei betrieb, oder ein Familienmitglied vergiften wollte.
Oder weil er seine Markgrafschaft in den Bankrott führte.

Vielleicht, weil schwarze Schafe gebraucht werden.

An einem sonnigen Herbsttag des Jahres 1565 kam in der alten Londoner Saint Paul’s Cathedral der Adel zusammen.
Die englische Königin Elisabeth I. hob einen neuen Erdenbürger aus dem Taufbecken.
Ihrem verstorbenen Bruder zu Ehren nannte sie ihn Eduard und aus unbekannten Gründen Fortunatus - den Glückseligen.

Neben dem brüllenden Eduard stand seine Mutter, Cäcilia Wasa.
Sie galt zu ihrer Zeit als die schönste und verschwendungssüchtigste Frau am Schwedischen Königshof. (1)

  Cäcilia Wasa     

Christoph II. von Baden Rodemachern

 

 

Vor einem Jahr hatte sie Christoph II. von Baden-Rodemachern geheiratet, einen Abenteurer, der den Spaniern in den Niederlande gedient hatte und nun in den Landen Unterstützer und Söldner für den schwedischen Krieg gegen Dänemark requirierte.


Vermutlich war Cäcilia bei der Tauffeier zufrieden, wenn nicht glücklich.
Sie hatte ihrem ehrgeizigen Ehemann einen Sohn geboren. Außerdem stand noch ein hohes Brautgeld ihrer Eltern in Aussicht und ihr Mann würde auch bald wieder abreisen.

Cäcilia blieb in London, auf Einladung und Apanage ihrer königlichen Freundin.

Sie warb für ihr Heimatland, für eine Heirat Eriks mit Elisabeth I., für Handelserleichterungen und versuchte englische Schiffsmannschaften für  Kaperfeldzüge gegen dänische Handelsschiffe zu gewinnen.
Nachts feierte sie ihre Feste. Cäcilia lebte über ihre Verhältnisse, ihre Schulden wuchsen.

Christoph muss nach London reisen, kann aber die Gläubiger nicht beruhigen. Die junge Familie flüchtet aus England.
Noch im Hafen kurz vor ihrer Abreise beschlagnahmt ein Gläubiger Cäcilias Schmuck. Vielleicht war er in Eduards Unterkleidern versteckt.

Was ihnen blieb, war der sichere Hafen - Schloss Kastellaun.

Als sein Vater Christoph II. stirbt, ist Eduard zehn Jahre alt.
Seine Mutter tritt zum katholischen Glauben über. Eduards Vormund wird Wilhelm V. Herzog von Bayern. (2)
Ein Jahr später konvertieren Eduard und seine Brüder zum katholischen Glauben.

Eduard interessierte sich derweil zum Leidwesen seiner jesuitischen Lehrer mehr für Magie und Zauberbücher.
Außerdem war er rotzfrech. Er beleidigte seine Mutter, verhöhnte die Stände.
Er reiste lieber nach Italien, nach Schweden. Egal wohin, Hauptsache er war an angesagten Höfen.

Als zwanzigjähriger traf er sich mit seinen Verwandten in Baden-Baden.

Jakobe von Baden, eine Cousine Eduards, sollte Johann Wilhelm von Jülich-Kleveberg heiraten. So hatte es der Clan beschlossen.
Man traf sich im Oostal im neuen Schloss des Markgrafen Philipp II. um dann weiter nach Düsseldorf zu reisen. (3)
Sein Vetter Ernst Friedrich war auch dabei. (4)

Drei Jahre später starb Philipp II. - der letzte Markgraf der Baden-Badener Linie, ohne Erben.
Nun bestand eine Chance auf Wiedervereinigung der beiden Markgrafschaften (Baden-Durlach und Baden-Baden)
Doch dies wusste man zu verhindern. Die Söhne aus der Rodemachernschen Linie wurden als rechtmäßige Erben anerkannt und Eduard als Markgraf von Baden und Sponheim installiert.
Seine Brüder erhielten Gebiete im heutigen Luxemburg und eine stattliche jährliche Summe Geld die ihnen natürlich nie ausgezahlt wurde.

So wurde Eduard Fortunat Markgraf von Baden.

Er war zu jener Zeit in Danzig und half seinem schwedischen Vetter Sigismund auf den polnischen Thron. Als Dank erhielt er Minenregale in Polen (Schürfrechte in Edelmetall- und Erz-Minen) die er über seine bayrischen Freunde an die Fugger verkaufte.

In Baden setze er konsequent seinen Herrschaftsanspruch durch. (5)

Eduard blieb nur wenige Monate in Baden, dann zog es ihn wieder nach Brüssel, an den Hof des Herzogs von Parma, der ihn als militärischen Berater im achtzigjährigen Krieg Spaniens gegen die Niederlande in seine Dienste aufgenommen hatte.

Dort traf er Maria von Eicken.
Die beiden verliebten sich. Aber Maria bestand auf einer richtigen Heirat. (6)

Eduard liebte es zu Reisen, das war chic, aber kostspielig. Neben den Herrschaften reiste das Hofpersonal mit, so dass eine muntere Gesellschaft zusammen kam.
Eduard und Maria zogen nach Italien, nach Venedig.
Auf der Insel Moreno wurde ihr erstes Kind, ein Mädchen geboren.

Die junge Familie kehrte nach Baden zurück. Maria war wieder schwanger und nach zwei Jahren Hinhaltetaktik heiratete Eduard seine Maria nun endlich im Neuen Schloss von Baden-Baden.

Eduard zog es wieder nach Brüssel. Er wollte seine gesamte Markgrafschaft an Fugger verpfänden, verhökerte die letzten Erbstücke Philipps und bezahlte die Beamtengehälter nicht mehr.
So geriet er immer mehr in das Blickfeld von Kaiser Rudolf II. (7)

Höchste Zeit für Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach Fakten zu schaffen.

In einer nebeligen Novembernacht des Jahres 1594 besetzten Durlacher und kurpfälzische Soldaten die Markgrafschaft Baden.

Die „Badische Okkupation“ beunruhigte das katholische Lager.
Ein Protestant vereinnahmt eine katholische Markgrafschaft.

Wie so oft war Eduard zu dieser Zeit nicht in Baden.
Er versuchte eine Söldnerarmee aufzustellen, scheiterte an der Finanzierung.

Mit calvinistischer Gründlichkeit zerrte Ernst Friedrich nun alle bösen Taten Eduards ans Licht.

Die Stände und die Städter, die Bauern und das fahrende Volk, sie alle wussten dass Eduard reiche Kaufleute ausrauben ließ und Herbergswirte persönlich aufsuchte, um sie nach ihren Gästen zu befragen.

Die Badener kannten auch Eduards italienisches Kleeblatt aus Moreno. Eduard und sein langjähriger Diener und jetziger Hauptmann Paul Pestalozzi hatten dafür gesorgt, dass Franciscus Muscatellus, Corsico und Dualdo, die Yburg als Zauberplatz nutzen konnten.
(8)

Damit war jetzt Schluss.

Pestalozzi und Muscatella wurde der Prozess gemacht.
Am 10.Dezember 1594 wurden sie enthauptet, gevierteilt und an langen Eichenstecken in den Einfallstraßen von Durlach platziert.

Nicht gut für Eduards Pläne, Ernst zu beseitigen. Aber er versuchte es immer wieder.
Alle seine Versuche flogen auf und endeten im „vierteilen und aufstecken.“ Natürlich nicht für Eduard, sondern für die von ihm beauftragten Mordbuben. (9)

Inzwischen installierten die Habsburger einen neuen Gouverneur in den südlichen Niederlanden, Erzherzog Albrecht von Österreich.
Eduard löste seine Eintrittskarte.

1598 traf Eduard seinen Vetter Sigismund III. in Danzig. Der war inzwischen König von Polen und Schweden. Die beiden segelten mit ihren Söldnern nach Schweden.
Sigismund wollte seinen Machtanspruch bei seinem protestantischen Vetter in Schweden durchsetzen und Eduard half ihm dabei.

Doch dieses Unternehmen scheiterte und war für Sigismund, aber vor allem für Eduard ein vernichtender Schicksalsschlag.

1599 setzt der schwedische Reichstag ihren König Sigismund III. Wasa ab.
Nachfolger wurde sein Vetter, den er in seine Schranken weisen wollte. Sigismund katholische Verbündete wurden hingerichtet.

Auch Eduard verlor mehr als seinen Einsatz. Auf seiner Flucht verhafteten ihn auch noch die Dänen. Er strandete, wie so oft, am Hof von Brüssel.
Doch die schlechten Nachrichten hatten sich herumgesprochen.
Eduard verlor seine letzten Gönner und Gläubiger.

Er ging in sein Nest zurück, in den Hunsrück, nach Kastellaun.

Aber auch dieser letzte Rückzugsort gehörte ihm nicht mehr alleine. Er stritt sich mit Herzog Karl schon lange um die Herrschaft­­­­­ in Sponheim und damit auch um Schloss Kastellaun.

 

Kastellaun


Karl kam immer wieder.

Am späten Abend des 18. Juni 1600 geisterte Eduard ums Schloss. „Wehe meiner armen Seele!“ soll er immer wieder gerufen haben.

Eduard stieg die Treppen zum Schlossturm hinauf. Er blickte auf das Dorf. Er sah nichts.

Dann ging er zurück zur Treppe. Er blieb stehen, schloss die Augen und schritt voran.

Vielleicht.

Vielleicht war er betrunken und stürzte die Treppe hinunter.

Vielleicht war er nicht betrunken, weil er auch den letzten Messwein verkauft hatte und deshalb auf den steilen Treppenstufen ins Zittern kam.

Vielleicht stürzte ihn Herzog Karl die Treppe hinunter, weil der allein in Sponheim herrschen wollte.

Vielleicht schlich sich Eduard so aus seinem Leben.

Vielleicht wollte er kein schwarzes Schaf mehr sein.

Sicher ist, dass Eduard sich das Genick brach.

 

Reliefporträt

 

(1)    Cäcila Wasa (geb. 1540, † 1627) war die Schwester ihres geisteskranken Bruders König Erik XIV. (1.1), der acht Jahre lang König von Schweden war. Sie war schön und verwöhnt, neugierig und lebenshungrig.
Als sie 11 Jahre alt wurde starb ihre Mutter.
Seit dieser Zeit lebte sie ohne Regulativ.
Sie liebte die Maskerade, Männer, Musik und Tanz, Kunst und Theater, Unterhaltung und Bälle bis in den frühen Morgen.
Die Liste der Heiratskandidaten wurde ständig aktualisiert. Zar Iwan der Schreckliche, König Sigismund II. von Polen, Pfalzgrafen – alle abgewiesen.
Den Gesandten des polnischen Königs, Graf Johann von Tenczin wollte sie heiraten. Aber der starb, als er, um die Hochzeit vorzubereiten, bei seiner Heimreise in dänische Gefangenschaft geriet.
    Dann traf sie Christoph.

(1.1)    Erik XIV. (geb. 1533, † 1577) war von 1560 bis 1568 König von Schweden.
Als er zwei Jahre alt war starb seine Mutter. Seine Stiefmutter bevorzugte ihren eigenen Sohn Johann.
Erik agierte psychotisch, litt unter seinem Verfolgungswahn.
Sein Stiefbruder setzte ihn 1568 ab und Johann wurde der neue König.  Neun Jahre später starb Erik XIV. Er wurde vergiftet.

(2)    Wilhelm V., der Fromme, Herzog von Bayern (geb. 1548, † 1626)

 

Wilhelm V

 

Lobend äußerte sich einer seiner Lehrer über ihn.
Er sei „dem Erdkreis als Vorbild vollkommener Tugend geschenkt.“

Wilhelms Lehrer waren Jesuiten, ihnen überließ er benediktinische Klöster wie Biburg oder die Abtei Ebersberg. Ihnen baute er in München Kirchen, St. Michael und ein weitläufiges, palastartiges Kloster.
Er vergrößerte seinen Herrschaftsbereich durch Raubzüge, Einnahmen und Eroberungen im Namen des alten, rechten Glaubens (1582 Miesbach).
Der Besuch der heiligen Messe wurde für alle Pflicht, ansonsten kam der „Heide in den Turm.“ Wer nicht katholisch werden wollte musste sein Land verlassen.
Wilhelms Meinung zur Erziehung war „daß die heidnischen Schwätzer und Fabelhansen im Unterricht durch christliche Autoren ersetzt werden sollten.“

1583 trat der katholische Erzbischof Gebhard in Köln zum Protestantismus über.
Damals ein Skandal....

Rom benannte sofort einen Gegenbischof und instruierte den köl’schen harten Kern des Capitels.

Wilhelm V. bezahlte seine spanisch-niederländischen Söldner mit dem Geld aus Rom und zog gegen Köln. Leichte Siege brachten ihm reichen Lohn.

Von nun an bestimmten die Wittelsbacher, über Jahrhunderte, wer in Köln, Hildesheim, Lüttich oder Münster Bischof wurde.

Wilhelm V. ließ auch die Scheiterhaufen wieder brennen. In Bayern und in Baden-Baden.

Die Landstände beklagten die hohen Schulden. Wilhelm hatte eine Schuldenlast von ca. 600.000 fl. übernommen, nun hatte er Schulden von mehreren Millionen fl. , die er auf seinen Sohn als Nachfolger übertrug.
Er zog sich mit einem von ihm selbst festgelegten Jahressalär von 60.000 fl. in seine „ägyptische Einsiedeleien“ zurück, die er in Schleißheim und auf Neideck hatte bauen lassen, beeinflusste aber weiterhin die Politik Bayerns.

(3)    Jakobe von Bayern war eine kluge, lebensfrohe Frau, die vier Sprachen sprach, herausragend Klavier und Laute spielte und die sich mit vielen Intellektuellen ihrer Zeit austauschte. Sie war 27 Jahre alt, als sie sich von München aus auf den Weg nach Düsseldorf machte um in eine Familie von Geisteskranken einzuheiraten.

Ihr zukünftiger Ehemann, Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg litt unter Verfolgungswahn - seine Mitmenschen unter seinen Tobsuchtsanfällen.
Er starb ohne Erben.

Dessen Mutter, Maria von Österreich, Habsburgerin und durch Johanna die Wahnsinnige bereits genetisch vorbelastet, war schwermütig und später wohl auch „verruckt.“

Der geistesverwirrte Vater hasste seinen Sohn, den Bräutigam. Sein geliebter erster Sohn starb früh.

Jakobe versuchte, ihren Ehemann auf dem diplomatischen Parkett zu vertreten.
Sie scheiterte, auch weil sie eine fremde Frau war und zudem nicht schwanger wurde.

Ihre größte Feindin war ihre Schwägerin, Sybille.
Sie hatte in der Vergangenheit die Fäden gezogen und dachte nicht daran, die Macht über ihren Bruder und damit über die Herrschaft aufzugeben.
Sybille ließ Jakobe systematisch überwachen. Sie wollte sie vernichten.

Schließlich verklagte Sybille Jakobe. Von der Hexerei (sie hätte ihren Ehemann verhext; nur deshalb sei er „verruckt“ geworden) über Hurerei bis zum Geiz und zur Habgier reichte die Anklage. Jakobe landete im Gefängnis. Zwei Jahre lang blieb sie da. Eines Morgens wurde sie tot aufgefunden. Wahrscheinlich wurde sie erwürgt.

(4)    Ernst Friedrich, Markgraf von Baden-Durlach (geb. 1560, † 1604)
wuchs am lutherischen Hof in Stuttgart auf.

Als sein Vater starb, stritten sich drei Brüder, als Stellvertreter, über das Erbe.

Ernst Friedrich, der Älteste, erhielt Durlach und Pforzheim.

Ernst Friedrich liebte religiös-philosophische Zirkel, förderte das Schulsystem. Ihm ist die Einrichtung des Gymnasiums Ernestinum in Durlach (1583-86) zu verdanken.

Immer wenn Eduard auf Reisen war, übergab er die Regierungsgeschäfte an Ernst. Da Eduard fast nie in seiner Markgrafschaft war, übte Ernst einen bestimmenden Einfluss in Baden aus.

Ernst war Eduards „großer Bruder“.

Eduard hasste ihn.

Ernst hatte, auch wegen seiner Dauerfehde mit dem Kaiser, immense Schulden.
Er verkaufte Teile seiner Markgrafschaft an die Württemberger.
Zuerst Besigheim und Mundelsheim für 300.000 Gulden, später Altensteig und Liebenzell für 500.000 Gulden.

Ernst konvertierte zum Calvinismus. In den Stafforter Büchern beschrieb er seine Gründe.
Er rechtfertigte auch seine Badische Okkupation, indem er Eduard so darstellte, wie wir ihn heute wahrnehmen.
    
    Starrsinnig zwang Ernst sein lutherisches Land „reformirt zu werden“.
Gegen sein rebellisches Pforzheim wollte er einen Kriegszug unternehmen, starb aber unterwegs an einem Schlaganfall.
Ernst kam in Pforzheim als Leiche an und wurde in der dortigen Stiftskirche beigesetzt.  

(5)     Zuerst drohte Eduard der katholischen Fraktion mit seinem Übertritt zum Protestantismus.
Dann gab er sich erzkatholisch und nahm damit auch seinen bayrischen Lehrmeistern den Wind aus den Segeln.
Er schürte in der Bevölkerung die Ressentiments gegen die Bayern.
Ab Frühjahr 1589 war er souverän regierender Markgraf.


(6)     Eduard war ein Kind seiner Zeit. Er hatte Vorbilder in seiner Familie und deren Aufträge zu erfüllen.
    
Im Mittelater führten viele Adlige eine Ehe der linken Hand.
Darunter verstanden sie ihr Recht, eine nicht standesgemäße Frau zu heiraten, aus Lust an der Liebe vielleicht, aber die gemeinsamen Kinder nicht anzuerkennen. Diese Ehe konnte jederzeit annulliert werden.
Heiratete unser Adlige jedoch später eine Standesgemäße, hatte er das Recht  die früheren Kinder anerkennen, und konnte ihnen gestatten seinen Namen, Wappen, Titel, usw. zu tragen.

Schon damals führte Eduards erster Versuch, die Heirat durch einen als Priester verkleideten Soldaten inszenieren zu lassen, zu Gespött und Heiterkeit.
Im zweiten Versuch war zumindest ein richtiger Pfarrer bei der Trauung anwesend. Aber die Eheschließung hielt Eduard geheim. Es gab keinen Ehevertrag.
Zwei Jahre später, am 14. Mai 1593 heiratete Eduard Anna nach Recht und Gesetz, behandelte sie aber weiterhin wie eine Konkubine.
Die Heirat hinderte Eduard auch nicht daran, sich mit Damen aus Böhmen und Österreich zu vergnügen.

 (7)     Kaiser Rudolf II. befahl „wegen der Verschwendung, grossen Schulden und böser Lebensart M.Eduardi Fortunati, dass die Herzoge von Bayern und Lothringen seiner Lande übernehmen................“
Kaiserliche „Commissäre“ wurden eingesetzt.
Der Herzog von Bayern übergab die Sache an den damaligen Kammergerichts-präsidenten, Graf M. Fugger.

(8)     Die Alchemie, oft reduziert auf die Herstellung von Gold, war das Gesprächsthema bei Hofe. Reichtum durch Zauberei. Das beschäftigte nicht nur Eduard, sondern viele Adlige. Vor allem die, die hochverschuldet waren.
    

Lassen wir A.Schnezler erzählen:

„Wie nun immer eine schlechte Handlung die andere nach sich zieht, so hat Markgraf Eduard auch sich des Falschmünzens unterfangen, welches in den Rechten sowohl als in der Kaiserl. Peinlichen Halsgerichtsordnung hoch verboten ist. Aus einer sonderbaren Mixtur von Metallen, welche der Malefikant Franz Muscatello zu bereiten wußte, wurden Ferdinandische Thaler, Klippenthaler, Portugaleser von 10 Dukaten Werth, etc. geprägt, dieselben auf der Frankfurter Messe ausgegeben und die Leute damit betrogen. Er, der Markgraf selbst, war zugegen, wenn gemünzt wurde, und zog das zu Augsburg erkaufte Preßwerk mit eigener Hand. Die Stempelschneider zu bekommen, brauchte er Gewalt und hielt sich Alles für erlaubt.“

 

Muscatello gestand vor Gericht im Dezember 1594 aus Messing, Kupfer, Silber und Gold unter anderem Mailändische Silberkronen, oder Portugaleser (Nachahmungen von Goldmünzen aus Portugal) hergestellt zu haben.

Pestalozzi bestätigte vor Gericht im Dezember 1594, dass er dabeigewesen sei und mitgeholfen habe (auf Befehl seines Herrn ) 220 viereckige Taler zu machen, die er dann auf der Frankfurter Messe ausgab, bis auf die, die zu roh waren. Die warf er in den Main.

(9)    Im sechszehnten Jahrhundert waren die Menschen nicht weniger geneigt einander umzubringen als heute.
Auf der Frankfurter Messe 1593 trafen sich Ernst und Eduard.
Beim vereinbarten Abendessen stand der Giftbecher schon bereit, aber Ernst sagte das Treffen ab.
Alle weiteren Versuche scheiterten.

Dann stellte das italienische Kleeblatt auf Befehl Eduards Wachsfiguren von Ernst her, ein Priester musste diese weihen und mittels angewandter Magie und Zauberei sollte Ernst sterben, oder zumindest sollte eine Krankheit ihn niederwerfen. Einige meinen, der Zauber habe gewirkt, da Ernst nach der Okkupation erkrankte.
Vielleicht war es Zufall.


Quellen / Literatur:

Urte Schulz, Das schwarze Schaf des Hauses Baden, Markgraf Eduard Fortunatus, Casimir Katz Verlag, 2012
Ein sehr faszinierendes, faktenreiches Buch über dieses schwarze Schaf.

Armin Kohnle, Kleine Geschichte der Markgrafschaft Baden, G.Braun Buchverlag, 2009

Johann Christian Sachs, Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden, Dritter Theil, Karlsruhe 1769, Bayrische Staatsbibliothek
https://books.google.de/books?id=YHwAAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de#v=onepage&q&f=false

WIKISOURCE, ADB: Markgrafen von Baden

Schöpflin, Hist. Zaringo-Badensis. Agricola, Hist. prov. soc. Jes. Germ. super. p. I. Pütter, Mißheirathen teutscher Fürsten und Grafen.

Schöpflin, Hist. Zaringo-Badensis. Leonh. Hutterus, Concordia concors. Bouginé, Handbuch der allgemeinen Litterargeschichte. Kleinschmidt, Jakob III., Markgraf von Baden und Hochberg.

August Schnezler, Badisches Sagen-Buch, zweite Abtheilung, 1846, Google Books
 

Kreisarchiv Rastatt

Bildnachweise:

Münzportrait , Österreichische Nationalbibliothek, Wien
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Stich Castelhun, Von Achim Berg - eigene Aufnahme von Thementafel im Hunsrück Museum in Simmern, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4950694

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Willi Andreas Weishaupt 2017